Cyberrisiken und KI-Chancen zum «Zmorge»
20.09.2024 SaanenmöserAm jährlichen Wirtschaftsbrunch der Volkswirtschaft Berner Oberland präsentierte der Geschäftsführer der Streamline AG, Christian Zingg, das neueste Instrument von Microsoft: den Microsoft Copilot. Welche Auswirkungen und Chancen die Innovation für den ...
Am jährlichen Wirtschaftsbrunch der Volkswirtschaft Berner Oberland präsentierte der Geschäftsführer der Streamline AG, Christian Zingg, das neueste Instrument von Microsoft: den Microsoft Copilot. Welche Auswirkungen und Chancen die Innovation für den Arbeitsalltag bietet, sorgte für angeregte Gespräche.
ELISA OPPERMANN
Der Begriff künstliche Intelligenz ist schon lange in aller Munde, doch was genau bedeutet sie für uns? Für unsere Unternehmen? Unser Saanenland? Sind wir wirklich bereit für die vielen Möglichkeiten und verschiedenen Risiken, welche die künstliche Intelligenz für uns bereithält?
Genau diese Fragen behandelte der diesjährige Wirtschaftsbrunch der Volkswirtschaft Berner Oberland. Vorstandsmitglied Matthias In-Albon begrüsste die rund 30 Gäste, die sich bereits früh am Tag auf den Weg zum Golfclub Gstaad-Saanenland gemacht hatten, mit einer kurzen Rede und einem amüsanten Video: Zu sehen war ein Roboter, der ein Orchester dirigiert. «Tatsächlich ist das Video bereits aus dem Jahre 2003. Damals dachten wir, dass wir heute, im Jahre 2024, nur noch mit automatisierten Autos fahren würden», sagte In-Albon, was in der Runde für Schmunzeln sorgte. Doch neben allen Scherzen: Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch – ein passender Einstieg in das umfassende Thema des Morgens.
Ein Copilot im wahrsten Sinne des Wortes
Die neueste Errungenschaft des Tech-Riesens Microsoft ist der «Helfer im Alltag», der Microsoft Copilot. Veröffentlicht wurde er, mit etwas Verzögerung, dieses Jahr. Doch was genau ist dieses Programm? Wohin steuert uns der Copilot? Christian Zingg, Geschäftsführer der Streamline AG, einer Partnerunternehmung der Swisscom, präsentierte das neueste Instrument.
Es handelt sich um die nächste Generation von KI-unterstützten Tools. Der Copilot ist durch Microsoft 365 bereits direkt in Apps wie Word, Teams, Powerpoint, Outlook oder Excel integriert. Durch die Kombination von Large Language Models (LLM), Microsoft Graph-Daten und den Microsoft 365 Apps soll der Copilot zu einem der effektivsten Produktivitätstools der Arbeitswelt werden.
Die Spracherkennung des Tools hält Zingg für besonders faszinierend: «Sogar Mundart versteht er», erklärt der Streamline-Geschäftsführer begeistert, bevor er einräumt: «Na ja, je nach Dialekt muss man sich eventuell ein-, zweimal wiederholen, aber prinzipiell funktioniert es», was erneut für Schmunzeln sorgte. Protokolle von Sitzungen können dank der Spracherkennung schnell erfasst und geschrieben werden. Der neue «Helfer im Alltag» ist für jeden Nutzer mit Microsoft-Abonnement zugänglich und basiert auf «open AI», was sich als «offene künstliche Intelligenz» ins Deutsche übersetzen lässt.
Gesteigerte Produktivität, entfesselte Kreativität
Die Arbeitszeit auf das effektivste Mass zu reduzieren, indem unwesentliche Tätigkeiten minimiert werden – das ist das Ziel des Copilots. Präsentationen werden einfacher erstellt, Daten und Trends in Sekunden zu professionellen Visualisierungen gestaltet oder E-Mails freundlich beantwortet. Sogar der Tonfall eines E-Mails kann personalisiert werden. Ob jemand generell eher höflich und freundlich ist oder eher ernst und formal – alles kann voreingestellt werden, um die Sprache der Person so realistisch wie möglich zu gestalten.
Selbst denken nicht verlernen
Oberflächlich hört sich alles toll an, doch wenn man genauer hinsieht, bergen sich leider auch so manche Herausforderungen und Gefahren hinter der künstlichen Intelligenz. Zum einen wäre da die Quellenangabe: Woher holt sich der Copilot die Antworten? Eine Antwort gibt es auf jede Frage, aber ist sie denn auch immer richtig? Dann wären da noch die Datenschutzbedenken. Wer hat alles Zugriff auf unsere Daten, mit denen wir den Copiloten füttern? Und wer entscheidet über die Datenfreigabe?
Zu guter Letzt wäre da noch die ethisch-soziale Herausforderung, die es zu berücksichtigen gilt: Wie korreliert die Steigerung von künstlicher Intelligenz mit einem potenziellen Verlust von Arbeitsplätzen? Wenn der Copilot eigentlich zum Piloten wird, weil seine Fähigkeiten und sein Output die unseren in jeglicher Hinsicht weit übertreffen, dann stellt sich die Frage: Wofür braucht man uns noch?
Die vielen Fragen wurden anschliessend angeregt bei Gesprächen vertieft. Eine Antwort auf jede dieser Fragen zu finden war unmöglich, aber zum Glück können wir ja in Zukunft den Copiloten befragen.