Querflöte und Harfe im Einklang
08.01.2026 KulturDas Konzert «Métamorphoses» in der Sankt-Niklaus-Kapelle in Gstaad war Teil des Gstaad New Year Music Festivals. Es vereinte musikalische Vielfalt und feinsinniges Zusammenspiel zwischen Flöte und Harfe. Die Flötistin Zofia Neugebauer und die Harfenistin Julia ...
Das Konzert «Métamorphoses» in der Sankt-Niklaus-Kapelle in Gstaad war Teil des Gstaad New Year Music Festivals. Es vereinte musikalische Vielfalt und feinsinniges Zusammenspiel zwischen Flöte und Harfe. Die Flötistin Zofia Neugebauer und die Harfenistin Julia Łopuszyńska sorgten für einen stimmungsvollen Nachmittag.
PAULA H. MITTAG
Es ist früher Nachmittag und auf der Promenade herrscht reger Betrieb. In der Sankt-Niklaus-Kapelle in Gstaad hingegen ist eine wohltuende Ruhe eingekehrt. Das Publikum wartet gespannt auf den bevorstehenden Auftritt der Flötistin Zofia Neugebauer und der Harfenistin Julia Łopuszyńska. Das Sonnenlicht fängt sich in den Wänden der Kapelle und fällt auf die Tribüne, auf der die Harfe und die Querflöte bereitstehen. Als die beiden jungen Künstlerinnen die Bühne betreten, verstummen die Gespräche und die Aufmerksamkeit richtet sich ganz auf die beiden Anfang Dreissigjährigen.
Nervosität, die geheime Superkraft
Anfangs wirkten sie noch etwas nervös, doch kaum begannen sie zu spielen, verflog jede Anspannung. Doch, wie Zofia Neugebauer nach dem Auftritt gegenüber dieser Zeitung zugibt, sei Nervosität ihr Geheimtipp für ein gutes Konzert: «Mittlerweile kann ich Nervosität als etwas betrachten, das einfach dazugehört. Sie motiviert mich sogar: Aufregung und Adrenalin helfen mir, mich besser zu konzentrieren und ausdrucksstärker zu spielen.» Ihr anderer Geheimtipp, falls das Nervensystem doch verrückt spielt, seien ihre Atemübungen. «Manchmal stosse ich auch an meine Grenzen, dann fange ich an, vor Aufregung zu zittern. In solchen Momenten habe ich spezielle Atemübungen, die mir helfen, mich zu sammeln», erklärt Neugebauer. Sie habe realisiert, dass sie die Nervosität zwar nie ganz ablegen könne. Allerdings weiss sie jetzt, wie man mit ihr gut umgehen kann.
Nach dem kurzen nervösen Anfang sammelten sich die beiden Künstlerinnen und zurück blieb ein fein abgestimmtes, melodisches Zusammenspiel zwischen Harfe und Querflöte.
Mehr Anerkennung für die Schönheit der Flöte
Das Publikum schaute die ganze Zeit gebannt auf die Bühne und applaudierte besonders laut, als sie ein Stück zu Ende spielten. Zofia Neugebauer wirkt zufrieden: «Ich hoffe, dass das Publikum mit einem angeregten Sinn für Fantasie aus dem Konzert geht und Momente von Leidenschaft, Freiheit und Offenheit für den nächsten Augenblick mitnimmt.»
Die junge Flötistin hat ein grosses Ziel: Dass mehr Menschen die Schönheit der Flöte anerkennen. «Ich wünsche mir, dass sich die Zuhörenden für die Flöte begeistern können und diese Begeisterung in den Alltag mitnehmen», sagt sie mit einem Lächeln. Die Flöte sei nicht immer das beliebteste Instrument, dabei sei sie der menschlichen Stimme ja so nah, ausserordentlich farbenreich und klanglich unglaublich vielseitig. Die Liebe zur Flöte hat sie definitiv verbreitet, denn das Publikum ging begeistert nach Hause und einige bedankten sich bei der Flötistin und der Harfenistin für ihren tollen Auftritt. «Am schönsten ist es, wenn das Publikum ähnlich wie wir empfindet. Wenn für einen Moment ein gemeinsamer Raum entsteht, in dem Musik lebendig wird.»
Zwei Fragen an Zofia Neugebauer
Zofia Neugebauer wurde 1994 in Wodzisław Śląski in Polen geboren. Die junge Flötistin war beim Konzert «Métamorphoses» zu hören und ist ein wiederkehrender Gast am Gstaad New Year Music Festival, wo sie dieses Mal im Duett auftrat. In diesem Interview spricht Zofia Neugebauer über ihre Leidenschaft für ein oft unterschätztes Musikgenre.
INTERVIEW: PAULA H. MITTAG
Wie sind Sie zum Flötespielen gekommen?
Ich habe mit fünf Jahren angefangen, Klavier zu spielen, weil mein Cousin Keyboard spielte und ich das einfach unglaublich cool fand. Ein paar Jahre später beschloss ich, das Instrument zu wechseln. Meine Lehrerin war viel zu streng und ich ein sehr eigensinniges Kind. Mit neun begann ich Querflöte zu spielen, wieder aus einem ganz einfachen Grund: Ich fand die Mädchen mit ihren Flötentaschen einfach cool. Aber ich bin bei der Flöte geblieben und spiele inzwischen schon seit über 20 Jahren. Der Klang der Querflöte liegt für mich sehr nah an der menschlichen Stimme, und ich liebe es, zu singen.
Welche Rolle spielt klassische Musik Ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit?
Ich bin mir bewusst, dass klassische Musik eine Ausbildung von klein auf oder zumindest eine gewisse Einführung erfordert. Es handelt sich definitiv um eine Kunstform, die viel Aufmerksamkeit und Bewusstsein verlangt. Das halte ich für entscheidend, besonders in einer Zeit, in der alles sehr schnelllebig ist. Klassische Musik ist vergleichbar mit der hohen Literatur: Menschen sollten in der Lage sein, schöne Texte zu lesen und in die kreative Welt der Musik einzutauchen.



