Plácido Domingo: eine Herzensangelegenheit
05.01.2026 KulturIn der zum Bersten gefüllten Kirche Saanen konnte das Publikum des Gstaad New Year Musik Festivals drei Tage vor Ende des Jahres ein phänomenales Konzert mit Weltstar Plácido Domingo, der Koloratur-Sopranistin Christina Poulitsi und dem Pianisten James Vaughan erleben. ...
In der zum Bersten gefüllten Kirche Saanen konnte das Publikum des Gstaad New Year Musik Festivals drei Tage vor Ende des Jahres ein phänomenales Konzert mit Weltstar Plácido Domingo, der Koloratur-Sopranistin Christina Poulitsi und dem Pianisten James Vaughan erleben. Domingo war mit seinen beiden Musikfreunden nach Gstaad gekommen, um der Gründerin und künstlerischen Leiterin des Festivals, Prinzessin Caroline Murat, anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums ihres Festivals die Ehre zu erweisen.
TINA DOSOT
Beide kennen sich bereits viele Jahre. Plácido Domingo hat die renommierte Konzertpianistin Prinzessin Caroline Murat – auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Caroline Haffner – während ihrer gesamten Karriere gefördert und ermutigt, wie es heisst. Im Gegenzug unterstützte die Prinzessin den Weltstar offensichtlich unter anderem bei der Gründung seines Gesangswettbewerbs «Operalia». Es heisst auch, beide verbinde neben der Freundschaft noch immer eine enge professionelle Zusammenarbeit, besonders, was die Förderung junger Talente betrifft. Und dass das Konzert in Saanen für den Weltstar wohl nicht nur eine Ehrung des Festivaljubiläums, sondern auch eine Herzensangelegenheit war, war vom ersten bis zum letzten Moment zu spüren.
Kein bisschen müde
Über die künstlerische Leistung einer solchen Legende der Opernwelt wie Plácido Domingo ein Urteil abzulegen, wäre verwegen und vermessen. Dennoch war man gespannt, wie der heute immerhin fast 85-Jährige das abendliche Programm bewältigen würde. Auch der Allergrösste dürfte ja mit Fug und Recht einmal leiser werden. Nicht so Plácido Domingo. Geradezu begeistert vom regen Treiben im übervollen Gotteshaus betrat er die Bühne und faszinierte sein Publikum auf Anhieb. Freude war bei ihm auch zu spüren, dass er dem Publikum in der kleinen Kirche so nah sein konnte. Es ist bekannt, dass Domingo dies schätzt – und ist ganz im Sinne der Veranstalter.
Leidenschaft und Ausstrahlung
Mit Leidenschaft, seiner berühmten starken Ausstrahlung, unverhohlenem Enthusiasmus und spürbarer, langjähriger Erfahrung präsentierte er Arien wie das «Perfidi! Pietà, rispetto, amore» aus Verdis «Romeo und Julia», Franz Lehars «Dein ist mein ganzes Herz» oder die berühmte Arie «Mi aldea» aus der Zazuela «Los Gavilanes» von Jacinto Guerrero. Aber auch nach mehreren Zugaben (mit Tanzeinlage) schien der Megastar sichtbar wenig Lust zu haben, den Abend zu beenden, solchen Spass hat es ihm gemacht! Domingo selbst scheint wohl am wenigsten über sein fortgeschrittenes Alter nachzudenken. Und er hat sich offensichtlich vorgenommen, noch lange das zu tun, was er so liebt: singen. Einfach grossartig!
Musik mit Freunden
An seiner Seite hatte der legendäre Sänger ganz offensichtlich nicht einfach Musiker, sondern Menschen, die mit ihm verbunden sind. Die griechische Koloratur-Sopranistin Christina Poulitsi, die heute in der Opernwelt gefeiert wird, lernte Domingo 2014 kennen und schätzen, als sie bei seinem Gesangswettbewerb «Operalia» Finalistin war. Seither treten sie häufiger gemeinsam bei Konzerten auf. Und die Sängerin muss sich nicht hinter ihrem prominenten Vorbild verstecken! Mit ihrer agilen und wendigen Stimme war sie bestens in der Lage, die blitzschnellen Läufe, Sprünge und Verzierungen der Arien mit grosser Leichtigkeit und Brillanz zu bewältigen – eine Augenweide in Person und ein Genuss für den Opernfreund. In Vincenzo Bellinis «Qui la voce… vien diletto» oder Charles Gounods «Ah! Je veux vivre» aus Macbeth oder in der spanischen Zarzuela «Me llaman la primorosa» aus «El barbero de Sevilla» von Geronimo Giménez bewies sie nicht nur emotionale Ausdruckskraft, sondern auch einen hohen Tonumfang in glockenheller Perfektion.
Versierte Begleitung
Dritter in Bunde war der Pianist James Vaughan, der Domingo offensichtlich seit Jahren begleitet, vor allem, wenn der Weltstar in reduziertem Rahmen konzertiert. So werde «Werkstattatmosphäre» erzeugt, hat Domingo in einem Interview erklärt. Der international etablierte Pianist und Gesangslehrer James Vaughan unterstützt Domingo besonders bei solchen Konzerten als Begleiter und Korrepetitor. Sein Spiel zu den Arien der beiden Sänger wirkte vertraut und sicher und bei seiner Soloeinlage, dem «Intermezzo» von Giacomo Puccini, bewies er angenehm sein eigenes grosses Können.




