Kampfgeist auf Kufen: die Women’s Hockey Winter Classic
06.01.2026 GstaadNachwuchs am Nachmittag, Meisterschaft am Abend: Die Women’s Hockey Winter Classic machte das offene Eisfeld in Gstaad am 30. Dezember 2025 erneut zur Bühne für Frauenhockey.
JONATHAN SCHOPFER
Bereits ab dem Nachmittag strömten zahlreiche ...
Nachwuchs am Nachmittag, Meisterschaft am Abend: Die Women’s Hockey Winter Classic machte das offene Eisfeld in Gstaad am 30. Dezember 2025 erneut zur Bühne für Frauenhockey.
JONATHAN SCHOPFER
Bereits ab dem Nachmittag strömten zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer zum offenen Eisfeld, um die Nachwuchsspielerinnen zu beobachten. Die flinken Bewegungen auf den Kufen blieben nicht unbemerkt. «Die spielen ja schnell», meinte ein Zuschauer am Spielfeldrand. Die sechste Austragung der Women’s Hockey Winter Classic verband Nachwuchsspiele mit einem offiziellen Meisterschaftsspiel auf dem offenen Eisfeld. Dazu gehörte ein Rahmenprogramm, das neben den Spielen auch eine Autogrammstunde umfasste.
Girls-Turnier mit vier Mannschaften
Ab 15 Uhr begann das Girls-Turnier. Vier Mannschaften, zusammengestellt aus jungen Hockeyspielerinnen aus der Schweiz, trugen ein Turnier aus und sammelten Spielpraxis.
Auch die neunjährige Giulia Müllener, die beim Hockeyclub Gstaad Saanenland spielt, hatte die Möglichkeit, vor heimischem Publikum aufzulaufen. Entsprechend gross sei die Nervosität gewesen, auch weil sie in ihrer Mannschaft kaum jemanden kannte. «Am Anfang wusste ich nicht, was mich erwartet», sagte sie nach dem Turnier. Obwohl sie eine der jüngsten Spielerinnen war, fand sie rasch ins Spiel. Am Ende des
Turniers sei sie sehr zufrieden gewesen, aber auch erschöpft.
Denn trotz des freundschaftlichen Formats schenkten sich die Spielerinnen auf dem Eis nichts. Auch wenn am Schluss alle mit dem gleichen Preis ausgezeichnet wurden, wurde um jeden Puck gekämpft.
Nina Kindschi, Geschäftsführerin der SCB Frauen, unterstreicht die Bedeutung solcher Anlässe für den Nachwuchs. «Eine der grössten Herausforderungen sind die Zuschauerzahlen im Frauenhockey. Wir kämpfen darum, ein grösseres Publikum zu erreichen», sagt sie. Veranstaltungen wie die Women’s Hockey Winter Classic trügen dazu bei, Sichtbarkeit zu schaffen und Interesse zu wecken. Gleichzeitig zeigten sie jungen Spielerinnen, welche Möglichkeiten sich im Frauenhockey eröffnen können.
Volle Tribünen zum Meisterschaftsspiel
Kurz vor 17.30 Uhr wuchs der Zuschauerandrang weiter an. Zahlreiche Fans der SCB Frauen und des EV Zug trafen ein. Die beiden aufgebauten Tribünen waren voll besetzt und auch rund um das Eisfeld gab es kaum mehr freie Plätze.
Sportlich erwischten die SCB Frauen im ersten Drittel einen guten Start und führten zwischenzeitlich 2:1. Im zweiten Drittel übernahmen die Zugerinnen jedoch zunehmend die Kontrolle und erzielten sechs Tore. Am Ende entschied der EV Zug das Spiel mit 8:2 für sich. In der Tabelle belegen die SCB Frauen derzeit den dritten Rang, während der EV Zug die Liga anführt.
KÖBI KÖLLIKER IM INTERVIEW
«Ich bleibe weiterhin am Puck»
Organisator Köbi Kölliker engagiert sich seit der ersten Ausgabe mit viel Herzblut für die Women’s Hockey Winter Classic in Gstaad. Der Sportchef der SCB Frauen tritt Ende Januar 2026 zurück. Wir sprachen mit ihm über die Zukunft der Winter Classic und die Entwicklung des Frauenhockeys.
JONATHAN SCHOPFER
Köbi Kölliker, Sie treten im kommenden Jahr als Sportchef der SCB Frauen zurück. Was bedeutet dieser Entscheid für die Women’s Hockey Winter Classic in Gstaad? Wird der Anlass weiterhin durchgeführt?
Ja, davon gehe ich aus. Wir haben die Winter Classic nun sechsmal gemeinsam durchgeführt. In den ersten drei bis vier Jahren haben Ruedi Kunz und ich praktisch alles selbst organisiert, als eine Art Familienbetrieb. Inzwischen ist der SC Bern stärker involviert. Ich trete zudem nicht aus dem Club aus, sondern bleibe im Vorstand. Die Winter Classic soll weiterleben und auch ich bleibe weiterhin am Puck.
Was bedeutet Ihnen dieser Anlass persönlich?
Sehr viel. Es ist etwas Einmaliges. Vor sechs Jahren ist das aus einer Idee entstanden, die wir gemeinsam umgesetzt haben. Für die Spielerinnen ist es etwas Besonderes, hier oben vor dieser Kulisse zu spielen. Die Atmosphäre in Gstaad, gerade um den Jahreswechsel, ist einzigartig.
Warum fiel die Wahl damals auf Gstaad als Austragungsort?
Das hat auch persönliche Gründe. Ich bin seit rund 25 Jahren regelmässig hier, unter anderem gemeinsam mit Ruedi Kunz für das Beach Volleyball Gstaad. Für eine Winter Classic braucht es eine offene Eisbahn und im Berner Oberland ist Gstaad einer der wenigen Orte, der diese Voraussetzung erfüllt.
Sie haben das Frauenhockey über viele Jahre begleitet. Wie hat sich der Sport in dieser Zeit verändert?
Sehr stark. Vor allem in den letzten zwei bis drei Jahren ist die Entwicklung frappant. In der Women’s League spielen heute acht Teams, sechs davon sind einem National-League-Club angeschlossen. Das bringt mehr Professionalität – im Marketing, in den Medien, in der Betreuung und in der Organisation. Das Niveau ist deutlich gestiegen, und ich hoffe, dass diese Welle das Frauenhockey weiter voranbringt.
Wo sehen Sie aktuell noch Handlungsbedarf?
Um Fortschritte zu machen, braucht es finanzielle Mittel. Diese fallen nicht einfach vom Himmel. Bei den SCB Frauen arbeiten oder studieren die Spielerinnen noch zu 100 Prozent. Wir trainieren abends, haben vier Trainings und zwei Spiele pro Woche – das ist ein enormes Pensum. Die Erholungszeit kommt dabei oft zu kurz. Aber die Professionalisierung schreitet voran.
Zum Schluss, möchten Sie noch etwas sagen?
Das Frauenhockey hat noch sehr viel Potenzial. Und ich bin einfach sehr gerne hier oben in Gstaad (schmunzelt) und wünsche allen ein gutes neues Jahr sowie gute Gesundheit.













