Jahresrückblick 2025 – Wirtschaft: ein Jahr im Zeichen des Wandels
06.01.2026 WirtschaftDas Jahr 2025 brachte dem Saanenland Abschiede und Neuanfänge, grosse Investitionen und strategische Richtungsentscheide. Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten reagierten auf wirtschaftlichen Druck, gesellschaftliche Veränderungen und neue Rahmenbedingungen ...
Das Jahr 2025 brachte dem Saanenland Abschiede und Neuanfänge, grosse Investitionen und strategische Richtungsentscheide. Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten reagierten auf wirtschaftlichen Druck, gesellschaftliche Veränderungen und neue Rahmenbedingungen – oft mit Weitsicht, manchmal unter Zwang, aber stets mit Blick auf die Zukunft.
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Erfolge und Auszeichnungen im 2025
Franz W. Faeh doppelt ausgezeichnet
Der Culinary Director des Gstaad Palace hat 2025 gleich zwei Ehrungen erhalten. Franz W. Faeh wurde in den exklusiven Kreis der «Mérite Culinaire Suisse» aufgenommen. Zudem kürte ihn das Karl Wild Hotelrating 2025/26 der «NZZ am Sonntag» zum «Koch des Jahres». Gewürdigt wurden nicht nur sein kulinarisches Können, sondern auch seine Haltung als stiller Leader, sein Führungsstil als Coach und seine kompromisslose Frischeküche mit über 140 Gerichten.
Hotelière des Jahres und Spitzenplätze für die Region
Nadine Friedli, General Manager des The Alpina Gstaad, wurde im Falstaff Hotel Guide 2025 zur Hotelière des Jahres der Schweiz ernannt. Gleichzeitig erreichte das Haus die Maximalwertung von 100 Punkten. Auch im «Bilanz»-Hotelranking bestätigte das Saanenland seine Spitzenstellung: Das Gstaad Palace wurde zum dritten Mal in Folge als bestes Ferienhotel der Schweiz ausgezeichnet, The Alpina Gstaad belegte Rang vier. Mehrere weitere Häuser der Region schafften es unter die besten 50.
Käsekompetenz auf höchstem Niveau
Bei der Berner Alpkäsemeisterschaft in Saanen überzeugten Produzentinnen und Produzenten aus dem Saanenland mit Medaillen in mehreren Kategorien. Auch international sorgte die Region für Aufsehen: An den World Cheese Awards in Bern gewann die Molkerei Gstaad Supergold und Gold, die Molkerei Schönried zweimal Silber. Die Auszeichnungen gelten als wichtiges Signal in einem unter Druck stehenden Markt.
Junge Talente auf nationaler und internationaler Bühne
Fünf Nachwuchskräfte aus dem Saanenland nahmen an den SwissSkills teil und sammelten wertvolle Erfahrungen an den Schweizer Berufsmeisterschaften. Mit Platzierungen unter den Top 15 zeigten sie, dass auch eine kleine Region auf nationalem Niveau konkurrenzfähig ist – in Berufen von Detailhandel über Hotellerie bis Handwerk.
Zwei junge Männer aus der Region feierten internationale Erfolge. Nicola von Siebenthal wurde Spengler-Europameister und holte Gold an den Independent Skills Championships Europe. Ebenfalls Gold gewann der in Gstaad geborene Leonardo Soares Sousa bei den EuroSkills 2025 in Dänemark im Skill «Entrepreneurship und Business Development».
Innovationspreis für Leuchtturmprojekte
Der Innovationspreis Berner Oberland ging unter anderem an die Montreux–Berner Oberland-Bahn für den GoldenPass Express, eine umsteigefreie Verbindung zwischen Interlaken und Montreux. Ebenfalls ausgezeichnet wurden das kleinste Museum im Alpenraum, der CUBE Lenk, sowie ein innovatives Lohnmodell der Firma Nexplore AG. Die Projekte stehen exemplarisch für Innovationskraft im Berner Oberland.
Investitionen, Bauvorhaben und Entwicklung
Wasserkraftwerk im Turbach
Im Turbach startete eine weitere Bauetappe für das Wasserkraftwerk Turbach, das ab 2026 erneuerbaren Strom für rund 1400 Haushalte liefern soll – verbunden mit umfangreichen Verkehrsumleitungen während der Bauphase.
Hotel- und Tourismusprojekte kommen voran
Nach jahrelangen Verzögerungen erhielt das Hotelprojekt Waldmatte in Schönried rechtskräftig die Baubewilligung; der Baustart ist geplant, die Bauzeit beträgt rund zwei Jahre. Auch das Projekt Alpenblick Gstaad erreichte einen Meilenstein: Die Baueingabe für Wohnhäuser mit bezahlbaren Wohnungen und ein Bildungs- und Ferienzentrum steht kurz bevor, der Baustart ist etappenweise ab 2027 vorgesehen.
Ebnitmatte: sieben statt fünf Gebäude geplant
Die Wohnbaugenossenschaft Ebnitmatte überarbeitete ihr Projekt, um es baurechtskonform und bewilligungsfähig zu machen. Statt fünf Gebäude mit Ausnahmen entstehen nun sieben Häuser mit insgesamt 63 Wohnungen. Die Baueingabe war für August 2025 geplant, parallel lief die Suche nach weiterem Genossenschaftskapital.
Kultur, Bildung und internationale Akzente
Mit der Baubewilligung für das Gstaad House kann ab 2026 ein Projekt realisiert werden, das unterirdische Infrastruktur für Sammlungen und Fahrzeuge mit öffentlich zugänglichen Kultur- und Veranstaltungsräumen verbindet. Bereits gestartet ist der Neubau eines Schulgebäudes des Instituts Le Rosey, der die langfristige Präsenz der Schule in Gstaad sichern soll und bis 2028 abgeschlossen werden dürfte.
Aussergewöhnliche Wege und Begegnungen
Abschied der Postauto-Dynastie Kübli
Nach 101 Jahren im Familienbesitz haben Bernhard und Sonja Kübli ihr Unternehmen Ende 2024 aufgegeben; ab 2025 betreibt Post-Auto die Linien im Saanenland. Über vier Generationen hinweg prägte die Familie Kübli den Postautoverkehr im Saanenland. Was 1923 im Zeitalter der Postkutsche begann, endete 2024 mit einem vollelektrischen Linienbus. Bernhard und Sonja Kübli führten den Betrieb seit 1996 und erlebten sowohl das «goldene Zeitalter» des Postautos als auch den Wandel hin zu mehr Konkurrenz, höherem Spardruck und Fachkräftemangel.
Käsewissen für Nepal
Zwei Nepalesen mit tibetischer Abstammung verbrachten zwei Wochen auf der Alp Turnels oberhalb von Gstaad, um das Käsehandwerk zu erlernen. Organisiert vom Manjushri Verein und unterstützt von Ursula und Daniel Michel, erhielten Dawa Norbu und Nima Chiring Einblick in die Herstellung von Mutschli. Ziel des Projekts ist es, im nepalesischen Dorf Samagaun neue Absatzmöglichkeiten zu schaffen, indem Hirten ihre Milch künftig selbst zu Käse verarbeiten können. Die Michels vermittelten ihr Wissen unentgeltlich und stellten ein einfaches Starterset zur Verfügung.
Neue Köpfe an entscheidenden Stellen
Hotellerie: viele Wechsel, viel Kontinuität
In mehreren Hotels der Region kam es zu Führungswechseln. Im Hotel Alpenland in Lauenen übernahm Sandra Smith-Scheuner die Direktion von Michael Ming und Sonja Gübeli. Das Ermitage wurde nach dem Abgang von Romuald Bour zunächst interimistisch geführt, ehe Christian Zinn die Direktion übernahm. Im HUUS Gstaad wurde Mirka Czybik zur CEO und General Manager ernannt. Im The Mansard kam es sowohl in der Küche als auch in der Führung zu Wechseln: Tom Walter übernahm ab Juli 2025 als Head Chef, Martin Bieri wechselte ins Posthotel Rössli Gstaad, und Stefan Ludwig trat per April 2025 die Stelle als General Manager an. Zudem kündigte Martin Göschel seinen Abschied als Executive Chef vom The Alpina Gstaad nach der Wintersaison an.
Wirtschaft und Organisationen: Wechsel an der Spitze
Auch ausserhalb der Hotellerie gab es personelle Veränderungen. Bei der Raiffeisenbank Obersimmental-Saanenland übernahm Christoph Däpp das Präsidium des Verwaltungsrats, während Michael Dänzer den Vorsitz der Bankleitung übernahm. Bei der Saanen Bank wurde die Nachfolge frühzeitig geregelt: CEO Jürg von Allmen übergibt 2027 an Adrian Di Camillo. Die Sportzentrum Gstaad AG verzeichnete mehrere Mutationen im Verwaltungsrat, zudem trat Jürg Müller als Verwaltungsratspräsident zurück; interimistisch übernahm Urs Zumbrunnen. Mario Cairoli wurde zum Präsidenten der Landi Geschäftsführervereinigung Schweiz gewählt.
Dorforganisationen: neue Gesichter, neue Impulse
In den Dorforganisationen von Lauenen, Saanen, Saanenmöser und Schönried kam es zu Wechseln an der Spitze. In Lauenen übernahm Maja Perreten-Hartmeier das Präsidium, in Saanen wurden Michel Zysset und Vanessa Schwenter als neue Co-Präsident:innen gewählt. Die Dorforganisation Saanenmöser ergänzte ihren Vorstand mit Daniela Kübli-Schenk und Eliane Welten-Reichenbach, während in Schönried Heinz Zürcher neu in den Vorstand einzog.
Bildung und Tourismus: Stabilität mit frischen Kräften
Bei der Volkshochschule Obersimmental-Saanenland übergab Katja Minnig die Geschäftsstellenleitung an Helen Begert, begleitet von stabilen Finanzen und steigenden Teilnehmerzahlen. Die Bergbahnen Destination Gstaad AG blickte mit Geschäftsführer Matthias In-Albon auf zehn bewegte Jahre zurück und stellte zugleich wichtige Weichen für die zukünftige Entwicklung.
Zwischen unternehmerischen Entscheidungen und Herausforderungen
Eigentümerwechsel in der Hotellerie
In der Hotellerie kam es zu markanten Veränderungen. Das Fünfsternhotel The Alpina Gstaad wurde von Marcel Bach und Jean-Claude Mimran an eine amerikanische Unternehmerfamilie verkauft; der Betrieb bleibt unverändert, Marcel Bach präsidiert weiterhin den Verwaltungsrat, Nadine Friedli bleibt General Manager. In Lauenen übernahm die Wildhorn Group unter dem Vorsitz von Carole Callebaut das Hotel und Restaurant Wildhorn. In Gsteig erwarb Bach Immobilien das traditionsreiche Hotel Sanetsch und ermöglichte dessen Wiederinbetriebnahme, wobei die Zimmer neu über den Bären Gsteig vermietet werden.
Innovation und Investitionen am Flugplatz
Der Flugplatz Gstaad-Saanenland setzte 2025 ein schweizweites Zeichen: Als erster Regionalflugplatz der Schweiz bietet er den nachhaltigen Flugtreibstoff SAF (Sustainable Aviation Fuel) an. Das Pilotprojekt ist ökologisch motiviert, wirtschaftlich aber noch offen, da SAF aktuell deutlich teurer ist als konventioneller Treibstoff. Parallel investierte die Flugplatzgenossenschaft in Sicherheit und Infrastruktur, unter anderem mit angepassten Helipads für grössere Maschinen und einer neuen Roundshot-Kamera mit Nachtsichtfunktion.
Glacier 3000: starke Zahlen und juristische Klärung
Glacier 3000 blickte auf einen Rekordwinter zurück: Trotz 36 Prozent weniger Schnee stiegen Besucherzahlen und Umsatz deutlich. Treiber waren die hohe Lage, stabile Pistenverhältnisse und die neue Bergstation auf dem Scex Rouge. Gleichzeitig wurde ein juristisches Kapitel abgeschlossen: Drei Jahre nach dem Brand im Botta-Restaurant auf dem Glacier 3000 wurde das Verfahren abgeschlossen. Zwar ging die Staatsanwaltschaft von einem nicht korrekt gelöschten und falsch gelagerten Fondue-Rechaud als wahrscheinlicher Brandursache aus, das Bezirksgericht Vevey konnte dies jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen und sprach die damalige Restaurantleiterin frei.
Bergbahnen Destination Gstaad: Druck und Kurswechsel
Die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) blickte auf eine Wintersaison 2024/25 mit sehr guten Schnee- und Pistenverhältnissen zurück, blieb bei den Gästezahlen jedoch unter den Erwartungen. Die erhofften Spitzentage wurden nicht erreicht, während die Kosten – insbesondere für Energie – deutlich anstiegen. Positiv entwickelte sich die Gastronomie mit einem Umsatzplus von 22 Prozent, begleitet von organisatorischen Anpassungen und neuen Führungsfunktionen zur langfristigen Stabilisierung.
Als strategische Antwort entschied sich die BDG für den Beitritt zum Magic Pass. Ziel ist es, sinkenden Ersteintritten entgegenzuwirken, neue Gästeschichten zu erschliessen und insbesondere den Sommer zu stärken. Der stark wachsende Aboverbund mit Rekordverkäufen gilt für die BDG als zentraler Hebel, um zusätzlichen Cashflow zu generieren und künftige Investitionen nachhaltig abzusichern.
Kobi Ei Gstaad GmbH: Produktion vorübergehend eingestellt
Auch im lokalen Gewerbe zeigte sich der strukturelle Druck. Die Kobi Ei Gstaad GmbH stellte ihre Eierproduktion per Ende August 2025 vorübergehend ein, da die bestehenden Gebäude sanierungsbedürftig sind und eine Erweiterung am aktuellen Standort nicht möglich ist. Ziel bleibt der Neubau eines modernen Hühnerstalls mit deutlich grössere Kapazität, um künftig einen grösseren Teil des regionalen Eierbedarfs selbst decken zu können. Wann die Produktion in Gstaad wieder aufgenommen wird, ist derzeit offen.
















