Jahresrückblick 2025 – Kultur, Gesellschaft und Umwelt: Zusammenhalt, Wandel und kulturelle Strahlkraft
09.01.2026 KulturIm Jahr 2025 zeigte sich das Saanenland als Region mit starkem Gemeinschaftssinn, lebendiger Kultur und wachem Bewusstsein für Umwelt und Verantwortung. Dorffeste, Bildungsprojekte und musikalische Erfolge standen neben strukturellen Umbrüchen, Naturereignissen und ...
Im Jahr 2025 zeigte sich das Saanenland als Region mit starkem Gemeinschaftssinn, lebendiger Kultur und wachem Bewusstsein für Umwelt und Verantwortung. Dorffeste, Bildungsprojekte und musikalische Erfolge standen neben strukturellen Umbrüchen, Naturereignissen und gesellschaftlichen Debatten.
ZUSAMMENGESTELLT VON JOCELYNE PAGE
Gemeinschaft leben, Kultur gestalten
Zehn Jahre «Deux im Schnee»
Seit zehn Jahren bringt das Austauschprojekt «Deux im Schnee» Schulklassen aus der Deutsch- und Westschweiz ins Saanenland. Wintersport, gemeinsames Lernen und gelebte Zweisprachigkeit stehen im Zentrum. Was einst improvisiert begann, ist heute professionell organisiert und wird von Bund, Kantonen und Partnern getragen. Der Jubiläumsanlass zeigte, wie frühzeitige Sprachbegegnungen Respekt, Offenheit und Freundschaften fördern – auf und neben der Piste.
Dorfgemeinschaften mit neuem Selbstbewusstsein
Mit dem ersten Schönrieder Dorffest setzte die Dorforganisation ein starkes Zeichen für Zusammenhalt und Eigeninitiative. Marktstände, Vereine, Gastronomie, Musik und freiwilliges Engagement verwandelten den Dorfplatz in einen lebendigen Treffpunkt für alle Generationen. Der grosse Besucherandrang bestätigte das Bedürfnis nach gemeinschaftlichen Anlässen und machte klar: Das Dorffest soll zur Tradition werden.
Mini-Gstaad: Demokratie im Kinderformat
Im Ferienprojekt Mini-Gstaad übernahmen Kinder zwischen sieben und dreizehn Jahren für mehrere Wochen das Kommando. Sie arbeiteten in Betrieben, wählten eine Regierung, führten Abstimmungen durch und lernten spielerisch, wie Gesellschaft, Wirtschaft und Politik funktionieren. Das Projekt der Kinder- und Jugendfachstelle Juga fand grossen Zuspruch, wurde national ausgezeichnet und zeigte, wie früh demokratische Kompetenzen gestärkt werden können.
Lauenen wird Bergsteigerdorf
Lauenen wurde 2025 als erstes Dorf im Kanton Bern in das internationale Netzwerk der Bergsteigerdörfer aufgenommen. Der Entscheid geht auf einen mehrjährigen Prozess zurück, der nach dem starken Besucherandrang rund um den Lauenensee angestossen wurde und breit in Bevölkerung und Politik abgestützt ist. Mit dem Label verpflichtet sich das Dorf zu sanftem Tourismus, zur Pflege der Alpinkultur und zu einer Entwicklung, die auf Qualität statt Wachstum setzt.
Kultur mit internationaler Strahlkraft
Kulturell setzte das Saanenland mehrere Akzente. Der Dokumentarfilm «More than Brothers» der Gstaaderin Andrea von Siebenthal feierte seine Schweizer Premiere in Gstaad und machte auf die menschlichen Folgen des Afghanistan-Kriegs aufmerksam. Gleichzeitig brachte das Migros Hiking Sounds Festival erstmals Musik, Wandern und Natur nach Schönried und eröffnete erfolgreich die Sommersaison. Traditionell verwurzelt zeigten sich die Nachbargemeinden Lenk und St. Stephan: Das Bernisch-Kantonale Jodlerfest zog viele Jodlervereine an, so auch aus dem Saanenland.
Gstaad live im Schweizer Fernsehen
Mit der Live-Sendung «SRF bi de Lüt» stand Gstaad Anfang Februar im nationalen Rampenlicht. Rund 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die Übertragung auf dem Eisbahnareal, vor den Bildschirmen erreichte die Sendung ein grosses Publikum. Beiträge zu Geschichte, Alltag, Kultur und Kulinarik – mit Gästen wie Gölä und Mike von Grünigen – zeigten Gstaad vielseitig und nahbar.
Kirchliches Leben in Bewegung
Pfarrermangel lichtet sich in Lauenen, jedoch nicht in Saanen-Gsteig
Nach drei Jahren ohne feste Pfarrperson setzte die Kirchgemeinde Lauenen 2025 ein starkes Zeichen der Zuversicht. Carola Watts wurde ohne Gegenstimme zur neuen Pfarrerin gewählt und trat ihre Stelle mit einem Pensum von 65 Prozent per 1. Oktober an. Bereits während ihrer Verweserschaft hatte sie sich das Vertrauen von Kirchgemeinderat und Bevölkerung erarbeitet.
Weniger entspannt ist die Lage in der Kirchgemeinde Saanen-Gsteig. 2026 gehen mit Bruno Bader und Peter Klopfenstein zwei langjährige Pfarrer in Pension; bis zu 180 Stellenprozente werden frei. Trotz schweizweiter Ausschreibung sind Bewerbungen rar. Präsidentin Monika Steiner spricht offen von Fachkräftemangel und skizziert Szenarien mit Stellvertretungen und Angebotsreduktionen, sollte keine Nachfolge gefunden werden.
Grundstein für die Zukunft in Gstaad
Ein sichtbares Zeichen des Aufbruchs setzte die römisch-katholische Kirchgemeinde Gstaad mit der feierlichen Grundsteinlegung für das neue Pfarrhaus. In einer Zeitkapsel wurden Zeitungen, Dokumente und Kinderzeichnungen für kommende Generationen hinterlegt.
Naturgewalten und Verantwortung im Fokus
Schneechaos legt Verkehr und Stromnetz lahm
Im April 2025 führten heftige Schneefälle im Berner Oberland zu umgestürzten Bäumen, blockierten Strassen und zahlreichen Stromausfällen. Die Kantonspolizei Bern verzeichnete rund 40 Schadensmeldungen, verletzt wurde niemand. Zeitweise waren bei der BKW bis zu 16’700 Stromanschlüsse ohne Elektrizität, auch im Simmental und im Saanenland. Die Reparaturarbeiten gestalteten sich wegen schwer zugänglicher Schadensorte anspruchsvoll.
Klimafreundlicher Bergsport sorgt für Debatte
Mit 6049 Unterschriften forderte die Alpenschutzorganisation Mountain Wilderness den Schweizerischen Bergführerverband (SBV) auf, ausschliesslich klimafreundliche Bergtouren anzubieten und das Heliskiing weiter einzuschränken. Beide Seiten sprachen von einem konstruktiven ersten Austausch, blieben inhaltlich jedoch unterschiedlich positioniert. Der SBV verweist auf den seit 2019 deutlich gesunkenen Umfang des Heliskiings und lehnt eine weitere Einschränkung ab, während Mountain Wilderness ein vollständiges Verbot fordert.
Sicherung nach Hangrutsch an der Palacestrasse
Nach einem Hangrutsch im Januar 2025 bei der Haarnadelkurve der Palacestrasse wurden im Interesse der Sicherheit des Bahntrassees rasch Sofortmassnahmen umgesetzt. Ein mit Rundholz verstärkter Rostkasten stabilisiert den Hang, die Kosten belaufen sich auf rund 70’000 Franken. Das nachträgliche Baugesuch blieb ohne Einsprachen.
Musik verbindet Generationen
Ein Pavillon als Vermächtnis
Mit der Einweihung des Saaner-Proms-Musikpavillons «Markus S. Bach» erhielt Saanen einen neuen kulturellen Treffpunkt und Markus S. Bach eine sichtbare Würdigung seines jahrzehntelangen Wirkens. Der Pavillon steht sinnbildlich für sein Lebenswerk: die konsequente Förderung des musikalischen Nachwuchses, den Aufbau von Strukturen wie der Musikschule Saanenland-Obersimmental und die Überzeugung, dass Musik Dorfgemeinschaften zusammenhält.
Chinderchörli Saanenland auf nationaler Bühne
Das Chinderchörli Saanenland sorgte 2025 für einen kulturellen Höhepunkt weit über die Region hinaus. Am Prix Walo-Sprungbrett gewann der Chor zunächst die Sparte Jodel und Gesang und setzte sich anschliessend auch im Finale des Kleinen Prix Walo durch. Die 25 Kinder überzeugten Jury und Publikum mit musikalischer Qualität, Spielfreude und Originalität. Der Sieg ermöglicht dem Chor nun einen Auftritt an der 50. Prix-Walo-Gala 2026.
Festivals im Umbruch und im Aufbruch
Gstaad New Year Music Festival: Erfolg und personelle Veränderung
Das Gstaad New Year Music Festival 2024/25 zog mit 22 Konzerten an 14 Tagen ein grosses Publikum an. Die Auslastung war hoch, der Ticketverkauf stieg um rund 35 Prozent und Neuerungen wie nummerierte Sitzplätze sowie eine stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit wurden positiv aufgenommen. Kurz nach dem erfolgreichen Abschluss kam es jedoch zu einer Zäsur: Çetin Köksal trat als administrativer Leiter zurück. Als Gründe nannte er unterschiedliche Vorstellungen über Führung und Weiterentwicklung des Festivals, während die künstlerische Leitung keine Stellung bezog.
Gstaad Menuhin Festival: Abschied, Rekord und Neuanfang
Das Gstaad Menuhin Festival schloss mit einem Besucherrekord von 27’800 Gästen und über 60 Konzerten eine prägende Ära ab. Nach 24 Jahren verabschiedete sich Christoph Müller als künstlerischer Leiter und wurde von Publikum und Festivalfreunden mit Standing Ovations geehrt. Auch Aldo Kropf kündigte seinen Rücktritt als Verwaltungsratspräsident an, Richard Müller übernimmt die Führung. Mit dem Abschlusskonzert präsentierte sich Daniel Hope erstmals als designierter Intendant und setzte mit einem stilübergreifenden Programm ein Zeichen für die Zukunft. 2026 steht das Festival im Zeichen seines 70-Jahr-Jubiläums.
Caprices Festival: neuer Hauptaustragungsort Gstaad
Das international bekannte Caprices Festival verlegt seinen Hauptstandort von Crans-Montana nach Gstaad. Ausschlaggebend waren unter anderem die Infrastruktur und die Zusammenarbeit mit den Bergbahnen. Der elektronische Musikanlass passt laut Tourismusverantwortlichen in die Strategie, die Wintersaison zu verlängern und das Festivalangebot zu diversifizieren, ohne die kulturelle Identität der Destination infrage zu stellen.
Zwischen Fürsorge, Engagement und Neuausrichtung
IMMA: Hoffnung auf einen Neuanfang
Nach der schweren Krise im Sommer 2024 blickt die International Menuhin Music Academy (IMMA) vorsichtig nach vorn. Unter Sachwalter Loïc Pfister wird die finanzielle und rechtliche Situation aufgearbeitet, während die Menuhin Academy den Unterricht für die Studierenden sicherstellt. Die Dozenten unterrichten ehrenamtlich weiter, unterstützt vom Institut Le Rosey. Eine künftige Zusammenarbeit zwischen IMMA und Menuhin Academy ist denkbar, hängt jedoch vom Ausgang des Rechtsstreits mit dem Family Office der ehemaligen Mäzenin ab.
Freiwilligenarbeit vernetzen und sichtbar machen
Mit dem ersten Runden Tisch Freiwilligenarbeit wurde im Saanenland ein neuer Anlauf zur besseren Vernetzung gestartet. Vertreterinnen und Vertreter aus sozialen Institutionen, Gemeinden und Vereinen wollen Angebote bündeln, Doppelspurigkeiten vermeiden und neue Freiwillige gewinnen. Kernpunkte sind eine stärkere Nutzung der Plattform benevol-jobs.ch, mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit und eine dreijährige Pilotphase mit Unterstützung der Gemeinden.
Familienangebote neu denken
Nach der Schliessung der Station Saanen und der Auflösung des Vereins Füür und Flamme Saanenland wird das Vereinsvermögen zweckgebunden für neue Familienangebote eingesetzt. Spiel- und Erlebnisinfrastruktur fand bei lokalen Institutionen eine Weiterverwendung. Der Verein hält fest, dass der Bedarf an wetterunabhängigen Angeboten weiterhin besteht, nachhaltig realisierbar jedoch nur in enger Anbindung an bestehende Infrastruktur.
Gemeinsam älter werden: neues Altersleitbild
Mit dem Altersleitbild Obersimmental-Saanenland 2025–2035 haben sich sieben Gemeinden erstmals auf eine gemeinsame operative Altersstrategie geeinigt. Das Dokument bündelt die bisher getrennten Leitbilder und definiert konkrete Massnahmen zu Wohnen, Pflege, Gesundheit und Sicherheit. Koordiniert wird die Umsetzung durch die neu geschaffene Kommission Altersplanung, die den demografischen Wandel regional begleiten soll.
Jubiläen, die prägen und verbinden
25 Jahre La Folia: Musik als Brücke zur Geschichte
Das Festival La Folia feierte 2025 sein 25-Jahr-Jubiläum und rückte dabei die Kirche von Rougemont bewusst ins Zentrum. Mit der Ausstellung «Cluny#tousconnectés» wurde die kulturhistorische Bedeutung des Cluny-Ordens sichtbar gemacht, dessen einzig erhaltene Alpenstätte sich in Rougemont befindet. Die Ausstellung unterstützt die Bewerbung der kluniazensischen Stätten um die Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe und unterstreicht La Folias Anspruch, Musik, Geschichte und europäische Kultur miteinander zu verbinden.
Zehn Jahre Gstaad Züglete: Tradition mit Zukunft
Die Gstaad Züglete blickte 2025 auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück und erreichte dabei einen Besucherrekord. Kühe und Ziegen aus dem Saanenland, Treicheln, Jodlerklänge und Marktstände verwandelten die Promenade in ein lebendiges Dorffest.
20 Jahre Michael Bach: Konstanz in der Musik
Mit einem Jubiläumskonzert ehrte die Brass Band «Harmonie» Saanen ihren Dirigenten Michael Bach, der den Verein seit 20 Jahren prägt. Unter seiner Leitung etablierte sich die BBHS in der Höchstklasse und feierte zahlreiche Erfolge.
Ein Jahrzehnt für eine Schule: Henri Behar sagt adieu
Nach über zehn Jahren an der Spitze der JFK International School übergab Henri Behar die Leitung an Shirley Mitchell. Behar führte die Schule ab 2014 aus einer schwierigen Phase und prägte sie mit dem Leitgedanken «Small school – big heart». Auch nach seinem Rücktritt bleibt er der Schule verbunden und wird weiterhin das Sommercamp leiten.













